Erste Zwischenbilanz nach zwei Wochen: Wie geht es Baden-Württemberg im Teil-Lockdown?

Stuttgart (dpa/bo) - Zwei Wochen Teil-Lockdown sind bereits geschafft. Die Einschnitte zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind teilweise jedoch hart. Über die Frage, ob das alles schon Wirkung zeigt, herrscht Uneinigkeit. Nun zieht das Land eine erste Zwischenbilanz: Wer ächzt besonders und was funktioniert in Baden-Württemberg gut? Wie geht es Baden-Württemberg im Teil-Lockdown?

Symbolbild: Pixabay

Zwei Wochen Teil-Lockdown sind geschafft

Restaurants sind zu oder vollständig im To-go-Betrieb, Freizeiteinrichtungen sind geschlossen und es gibt keine touristischen Reisen mehr. So sieht er aus, der Teil-Lockdown, der Deutschland in diesem November im Griff hat. Nun könnte die Hälfte geschafft sein, falls es keine Verlängerung gibt. Am Montag wollen sich Bund und Länder zum weiteren Vorgehen beraten. Angesichts der harten Einschränkungen wird diskutiert, ob die Maßnahmen wirken. Das Robert Koch-Institut mahnt, für ein Urteil sei es zu früh. Das Landesgesundheitsamt in Stuttgart sieht jedoch positive Signale.

Exponentieller Anstieg der Neuinfektionen gestoppt

"Wenn sich die aktuelle Tendenz fortsetzt, wird die Anzahl der Neuinfektionen weiter sinken", sagt die Leiterin des Landesgesundheitsamts, Karlin Stark der dpa. Es gebe derzeit keinen exponentiellen Anstieg mehr. Dennoch habe es auch zwei Wochen nach Beginn des Teil-Lockdowns täglich noch immer mehr Neuinfektionen als rechnerisch Genesene gegeben. Es komme nun darauf an, wie konsequent die Menschen weiterhin ihre Kontakte einschränkten. Professor Hartmut Hengel, Virologe an der Uniklinik Freiburg, schätzt die Lage ebenfalls ähnlich ein: "Dynamik, die wir Ende Oktober, Anfang November noch gesehen haben, setzt sich nicht ungebremst fort." Der Sieben-Tage-R-Wert, der Auskunft darüber gibt, wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt, spreche zudem dafür, dass sich in vielen Kreisen die Situation mindestens stabilisiert habe.

Mehr als 20.000 Verstöße gegen die Corona-Verordnung festgestellt

Die allermeisten Menschen halten sich nach Angaben von Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) an die Regeln. Doch es gebe auch Ausreißer. Insgesamt hätten Polizisten zwischen dem 2. und dem 12. November im Land mehr als 20.000 Verstöße gegen die Corona-Verordnung festgestellt. Angesichts eines solchen Verhaltens frage Strobl sich: "Haben die den Ernst der Lage nicht einmal im Ansatz verstanden?"In den allermeisten Fällen hätten die Menschen die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes missachtet. Obwohl Verstöße die Ausnahme seien, sagt Strobl: "Wir können und werden auf Kontrollen nicht verzichten."

Maskenpflicht an Schulen: "Riesengroße Herausforderung für Lehrer, Schüler und Eltern"

Ein großes Ziel des Kultusministeriums ist es, die Schulen und Kitas in diesem Teil-Lockdown nicht wieder schließen zu müssen wie im Frühjahr. Bislang gelingt das offenbar überwiegend. Nach Ministeriumsangaben waren bis zum Wochenende nur an weniger als jeder zehnten Schule in Baden-Württemberg Klassen oder Gruppen aufgrund tatsächlicher oder befürchteter Corona-Infektionen vorübergehend aus dem Präsenzbetrieb herausgenommen. An etwa jeder dritten der betroffenen Schulen waren nur einzelne Schüler in Quarantäne oder Isolation. Fünf Schulen mussten komplett geschlossen werden.

Probleme gebe es laut trotzdem: So seien die ständigen Überlegungen über neue Regeln an den Schulen, etwa zu Maskenpflicht oder Quarantäne, eine "riesengroße Herausforderung für alle Lehrer, Schüler und Eltern", sagt Michael Gomolzig, stellvertretender Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung Baden-Württemberg der dpa. Dazu kämen praktische Probleme wie Lärm: Weil die Klassen nicht mehr gleichzeitig Pause hätten, herrsche ständig Trubel auf dem Pausenhof - während gleichzeitig die Klassenzimmer gelüftet werden müssten.

Existenznöte in Gastro-Branche

Anders als die Schulen ist die Gastro-Branche fast auf Null heruntergefahren. Viele Gastronomen und Hoteliers bringe der Teil-Lockdown in Existenznöte, sagt Daniel Ohl, Landessprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes. "Die Lage ist extrem ernst." Die Umsätze, die noch erlaubt seien - also der Außer-Haus-Verkauf und die Beherbergung von Dienstreisenden - deckten in den meisten Fällen nicht annähernd die Kosten der Betriebe. So berichteten einzelne befragte Gaststätten, dass mit To-go-Angeboten gerade einmal 10 bis 15 Prozent der normalen Umsätze erzielt würden. "Erschütternd" sei die Lage in vielen Hotels. Zu allem Überfluss sei die Lage angespannter als im Frühjahr, sagt Ohl. Denn das ganze Jahr sei für die Branche coronabedingt schlechter gelaufen: Zwischen Januar und September seien die Umsätze in den Gaststätten und Hotels Baden-Württembergs um mehr als 30 Prozent eingebrochen. "Die Reserven sind weg." Jetzt warte die Branche dringend auf die angekündigten Novemberhilfen.


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