//CPD_RS Changed Position und Settings-ID
Current track
Title Artist


Oli – Kanalsanierer in Karlsruhe

Karlsruhe (cmk) Er ist da, wo viele Menschen wohl eher nicht hinwollen. Oli arbeitet als Kanalsanierer in Karlsruhe und liebt seinen Job. Was er schon alles erlebt hat und was man im Haushalt unbedingt vermeiden sollte, erzählt er im Interview mit der neuen welle.

Roboter für kleinere Kanäle

„Alles, das mit Abwasser zu tun hat fällt in unseren Arbeitsbereich“, erklärt Oli seinen Beruf schlicht und einfach. Er ist Kanalsanierer in Karlsruhe. Trotz Digitalisierung und Robotern muss er auch heute noch selbst in den Kanal hinabsteigen. „Für die Hauptkanäle gibt es mittlerweile große Roboter, die die Arbeit erledigen können. Wenn der Hauptkanal allerdings zu groß wird also ab 800 Millimetern aufwärts, gilt der Kanal in Karlsruhe als begehbar. Dann werfe ich mich in meinen Gummianzug und dann geht es ab in den Kanal“, so der Kanalsanierer.

Olis Tipp: Keine Chemie!

Der Klassiker seien allerdings Verstopfungen. „Also wenn das Abwasser schlecht abläuft, sei es in Badewanne, Dusche oder Toilette, dann werden wir gerufen. Wir brauchen einfach nur eine Stelle, in der wir ins Rohr rein können und dann fahren wir mit der Kamera in das Rohr rein und schauen, wo das Problem ist. Dann wird das Rohr gereinigt und gegebenenfalls auch saniert, ohne das ganze Rohr ausgraben und austauschen zu müssen.“ Viele haben wahrscheinlich schon einmal versucht, eine Verstopfung mit Chemikalien zu bekämpfen. „Ein großer Fehler! Die knallharte Chemie raut die Oberfläche vom Kunststoffrohr an und damit ist die Grundlage für Kalkablagerungen und Urinstein eigentlich noch besser“, klärt Oli auf. Sein ultimativer Tipp heißt: Essig! „Einfach einmal in der Woche in jeden Abfluss 0,2 Liter handelsüblichen Essig reinkippen. Über Nacht dann einziehen lassen und morgens ganz normal spülen.“

Stinkt es wirklich so schlimm?

Bei Kanalisation denken wahrscheinlich viele an Gestank und Ekel, doch mit diesem Vorurteil räumt der Kanalsanierer auf: „In dem Hauptkanal unter der Straße riecht es eigentlich nicht klassisch nach Fäkalien oder Urin. Weil da sehr viel Wasser zusammenläuft und es wird dadurch so sehr verdünnt, dass es nicht mehr so streng riecht. Man hat zwar alte und muffige Luft, sehr feuchte Luft, aber es ist nicht der klassische Gestank.“ Dafür habe es tatsächlich viele Ratten. Die würden bei seiner Arbeit aber verschwinden, da sie durch Licht, Lärm und Bewegung irritiert werden.

Eineinhalb Pfund Spaghetti

Was die häufigsten Probleme für den Einsatz der Kanalsanierer sind? „Das sind feuchte Toilettentücher, Damenbinden, Tampons. Aber auch ganze Putzlumpen oder ein 3-Gänge-Menü schwimmt da manchmal an uns vorbei. Wir haben aber auch schon alte Münzen oder Nägel rausgespült. Wir haben auch schon alte Granatsplitter aus dem zweiten Weltkrieg gehabt“, erzählt Oli. Doch das größte Problem seien Lebensmittel. „Mit Soßen hat man da weniger Probleme aber ich habe mal in Ettlingen ein großes Mehrfamilienhaus gespült, also die Sammelleitung die dann auf die Straße rausführt. Ich habe gar nicht geglaubt, was ich da sehe. Während ich spüle, kommen eineinhalb Pfund Spaghetti am Stück vorbeigeschippert. Ich habe bis dahin gedacht, ich hätte schon alles gesehen in der Kanalsanierung.“ Durch Lebensmittel ziehe man außerdem die Ratten an, die dann wiederum den Lebensmitteln entgegenwandern. „ So kann man sich dann auch Ungeziefer ins Haus holen“, sagt der Experte.