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Das Geschäft mit dem Talent: Was ein Musikexperte von Castingshows hält

Karlsruhe/Mannheim (cmk) Die Musikbranche ist hart umkämpft – ein echtes Haifischbecken. Um dort Fuß zu fassen, versuchen viele talentierte Sängerinnen und Sänger den Weg über eine Castingshow. Doch nur bei den Wenigsten führt es zum Erfolg. Martin Wacker hat in seiner gleichnamigen Show einen echten Experten auf diesem Gebiet befragt – Sänger und Musikdozent Markus Sprengler.

Fluch oder Segen?

Castingshows sind seit vielen Jahren fester Bestandteil im Fernsehprogramm. Egal ob für Tanz, Kunst, Modeln, oder Gesang – es gibt heutzutage beinahe für alle Talente eine Show. Vor allem im Bereich Gesang ist die Landschaft vielfältig. Von „Deutschland sucht den Superstar“ über „Popstars“, „X-Faktor“ und „Das Supertalent“ bis hin zu „The Voice of Germany“ werden regelmäßig neue Gesichter und Stimmen gesucht. Auf den ersten Blick eine gute Chance – doch es steckt mehr dahinter.

Talent oftmals Nebensache

Die wahrscheinlich erfolgreichste Musik-Castingshow hierzulande ist „Deutschland sucht den Superstar“. Dort wird meist eine Mischung aus besonders talentierten und untalentierten Bewerbern zu den Castings eingeladen – eigentlich eine unlogische Vorgehensweise. Doch eine Sendung, in der nur gute Teilnehmer zu sehen sind, ist für das Publikum meist nicht so interessant, wie eine Show in der Gegensätze Aufsehen erzeugen. Gleichzeitig sorgen Kommentare der Jury für zusätzliche Unterhaltung, wenn unbegabte Teilnehmer bloßgestellt werden.

Musikbranche als Haifischbecken

Wenn am Ende einer jeweiligen Castingshow dann der glückliche Gewinner gekürt wurde, erhält dieser meist einen auf mehrere Jahre festgelegten Plattenvertrag. Auf den ersten Blick eine tolle Chance für Musiker. Doch auch hier gibt es einen bitteren Beigeschmack, wie Sänger und Musikdozent Markus Sprengler in der Martin Wacker Show verriet: „Es ist eine Branche die definitiv nur über den Hype des Themas lebt und nicht über Inhalte der Menschen, die dort ihre musikalische Fähigkeiten zeigen. Für mich gehört es eher zu der Abteilung, dass du einen Allround-Vertrag  bekommst, der dich zehn Jahre bindet falls du irgendetwas gewinnst und du kannst nicht mehr raus. Du bist quasi für Jahre verhaftet in einer Privatfernsehbranche, die dich dann irgendwie nicht weiterbringen lässt.“

Szenenschnitt entscheidend

Das Prinzip der Castingshows in der Regel immer dasselbe. Im Laufe mehrerer Sendungen wird mithilfe einer prominenten Jury ein Gewinner oder eine Gewinnerin aus einer Vielzahl an Bewerbern gesucht. Die Shows stehen immer wieder in scharfer Kritik, es gehe meist nicht vorrangig um die Talente, sondern vielmehr um die Persönlichkeiten der Bewerber. Schicksalsschläge, persönliche Hintergründe, oder besondere Charakterzüge machen die Protagonisten für das Publikum interessant und sorgen für gute Einschaltquoten. Die Kandidaten geben während der Dreharbeiten viel aus ihrem Leben preis – Die Produzenten haben allerdings die Macht zu entscheiden, welche Szenen schlussendlich im Fernsehen ausgestrahlt werden. So kann eine scheinbare Realität erzeugt werden, die nach Meinung der Produktionsfirma für das Publikum interessant ist.